Ich arbeite im Urlaub. Und fühl mich nicht mehr schlecht dafür.

Wenn es darum geht, wie erfolgreiche Selbstständige arbeiten, gibt es zwei Lager.

Die einen sagen: selbst und ständig. Du musst quasi permanent arbeiten, sonst wird das nichts.

Die anderen sagen: Geschafft hast du es erst, wenn du pünktlich Feierabend machst, am Wochenende nichts anrührst und im Urlaub keinen einzigen Finger rührst.

Ich bin generell kein Fan von Extremen. Und ich hab gemerkt: für mich funktioniert keines von beidem.

Was stattdessen funktioniert, hab ich mir selbst zusammengebaut. Regel für Regel. Ich nehme dich mit, wie ich das herausgefunden habe.

Der Moment, in dem ich gemerkt habe, dass die Regeln nicht zu mir passen

Jetzt steht wieder die Urlaubszeit an. Ganz viele haben da den gleichen Stress: Ich muss vorher noch mit allem fertig werden, alles vorbereiten für die Zeit, in der ich weg bin. Und im Urlaub dann bloß nichts anrühren, nicht in die Mails schauen.

Ich kenne das noch sehr gut, weil das bei mir damals genauso gewesen ist.

Ich hab mich richtig schlecht gefühlt, wenn ich im Urlaub gearbeitet habe. In meinem Kopf bin ich die Versagerin gewesen, die im Urlaub schon wieder ihre E-Mails checkt.

Dann hab ich aber etwas gemerkt. Selbst mit der besten Vorbereitung kann ich im Urlaub nicht abschalten. Ich denke die ganze Zeit: Jetzt kommt bestimmt ein E-Mail. Ich bin gehackt worden. Irgendwas funktioniert nicht.

Sogar wie ich eine Mitarbeiterin gehabt habe, bin ich eigentlich immer angespannt gewesen. Es kann ja was Großes passieren, und dann brauchen sie mich. Was, wenn ein E-Mail kommt, das nur an mich geht?

Das hat mich wahnsinnig unruhig gemacht. Und genau diese Unruhe hat meinen Urlaub kaputter gemacht als die fünf Minuten, in denen ich mich morgens hinsetze, die Mails überfliege und merke: nur ein Newsletter, ein Spam-Mail, sonst nichts.

Zu wissen, was los ist, gibt mir mehr Ruhe als das Nichtwissen.

Das ist der Moment gewesen, wo ich gemerkt habe: Die Regeln, die es im Business über die Selbstständigkeit gibt und darüber, wie man zu arbeiten hat, sind nicht für mich gemacht.

Also hab ich mich hingesetzt und viele davon neu durchdacht.

Die Regeln, die ich für mich neu geschrieben habe

Fünf davon zeige ich dir. Manche kennst du bestimmt. Und ein paar hältst du wahrscheinlich ein, ohne dass es dir bewusst ist.

Morgens zuerst ins Postfach schauen

Eine Regel, die man immer wieder hört: Das Letzte, was du morgens tun sollst, ist deine E-Mails checken. Bloß nicht sofort das Postfach öffnen, sonst bist du raus aus deiner Fokuszeit und bringst nichts weiter.

Bei mir funktioniert das überhaupt nicht.

Denn es ist wie mit dem Urlaub. Wenn ich mich in der Früh hinsetze und als Erstes meinen Podcast aufnehme, frage ich mich die ganze Zeit: Ist ein E-Mail gekommen? Muss ich auf irgendwas reagieren?

Und dann wird die Folge nicht so gut, weil ich mit dem Kopf woanders bin.

Also schau ich morgens als Erstes ins Postfach, damit ich weiß, was passiert ist.

Ich setze mich deshalb nicht stundenlang rein und lasse mich ablenken. Im Gegenteil. Ich schaue kurz rein, in der Früh wie im Urlaub, und plane mir ein, wann ich reagiere.

Allein das Wissen, was los ist, gibt mir wahnsinnig viel Ruhe.

Feierabend muss nicht um 17 Uhr sein

Die nächste Regel: Feierabend, Punkt 17 Uhr. Ich hab selbst oft gesagt, wir wollen so arbeiten, dass wir mit gutem Gewissen Feierabend machen können. Da stehe ich voll dahinter.

Und trotzdem: Es gibt nicht den einen Weg, wo du dich um 8.00 Uhr hinsetzt, um 17.00 Uhr aufhörst (oder wie in meinem Fall um 12.00 Uhr), und nur das ist richtig.

Deine Selbstständigkeit muss zu deinem Alltag passen. Ganz ehrlich, deshalb haben wir uns ja selbstständig gemacht.

Bei meinen Kundinnen erlebe ich das immer wieder. Sie haben ein schlechtes Gewissen: Vormittags schaffe ich nicht viel, weil die Kinder da sind, also muss ich mich am Abend noch hinsetzen, und das ist ja total schlecht.

Aber ganz ehrlich: Genieß die Zeit mit deinen Kindern und setz dich dann von mir aus am Abend hin, wenn du magst.

Es ist völlig fein, wenn du sagst, am Abend arbeite ich nicht. Und es ist genauso fein, wenn du sagst: doch, will ich.

Manche Dinge gehen eben nur vormittags. Die Zeit mit den Kindern. Oder schwimmen, wenn am Nachmittag die ganzen Kurse das Becken vollmachen.

Arbeit und Freizeit dürfen sich jede Woche neu sortieren

Ich glaube nicht, dass es strikt sein muss: In diesen Stunden ist Arbeit, in diesen Stunden ist Freizeit, und das ändert sich nie.

Bei mir ändert sich das jede Woche.

Ich mache jede Woche meine Wochenplanung. Das hab ich dir in meinem 4-Kalender-System schon mal erzählt.

Am Anfang der Woche schaue ich mir an, was ansteht: Termine mit den Kindern, Ausflüge, Feste. Und drumherum plane ich meine Arbeit.

Wenn ich dann meine Arbeitszeit habe, fokussiere ich mich auch wirklich nur auf die Arbeit. Da gibt es keine Wäsche, die mich ablenkt, und kein „das räume ich noch schnell auf“.

Alles ganz streng abgekapselt ist es trotzdem nicht. Und genau das sorgt dafür, dass ich mittlerweile viel weniger Stress habe.

Am Wochenende arbeiten, wenn mir danach ist

Früher ist auch „du darfst am Wochenende nicht arbeiten“ total wichtig für mich gewesen. Daran sieht man gut, dass es unterschiedliche Lebensphasen gibt.

Wie ich noch keine Kinder gehabt habe, hab ich hin und wieder am Wochenende gearbeitet, einfach weil ich Lust drauf gehabt habe.

Mit den Kindern ist es dann klar gewesen: Wenn die nicht im Kindergarten sind, will ich auch nicht arbeiten.

Und jetzt, seit ich alleinerziehend bin, habe ich manchmal Wochenenden für mich, wo die Kids nicht da sind. Dann arbeite ich auch mal ein paar Stunden, weil ich Lust drauf habe.

Weil mir was einfällt. Weil ich vorarbeiten kann für die Zeit, in der ich die Kinder wieder habe.

Und dann sage ich: Das ist schon erledigt, also mache ich heute früher Schluss, hole die Kinder früher und mache mit ihnen einen Ausflug.

Das ist für mich ein Prozess gewesen. Es ist mir nicht immer leicht gefallen, meine eigenen Regeln zu akzeptieren.

Und nein, ich nehme mir nicht spontan frei

Es geht nicht immer nur ums Nicht-dürfen. Manchmal auch ums Gegenteil.

Ich hab früher oft von anderen gehört: Ich bin selbstständig, also nehme ich mir einfach spontan einen Tag frei und gehe ins Schwimmbad.

Und ich hab mir gedacht, irgendwas stimmt mit mir nicht, weil ich das nie mache. Weil ich mir diese Zeit nicht nehme und auch nicht nehmen will.

Bis ich gemerkt habe: Ich bin einfach nicht der Typ dafür. Und auch das ist völlig okay.

Es geht nicht darum, wie andere arbeiten, sondern was dir guttut

In deiner Arbeitsweise geht es nicht darum, wie „man“ das macht und wie andere dich anschauen, wenn du es so machst.

Es geht darum: Was tut mir gut? Was will ich mir erlauben und was nicht?

Also: wann ich arbeiten will und wann nicht. Und ganz allgemein, welche Regeln ich in meiner Selbstständigkeit befolgen will und welche nicht.

Ich hab jetzt oft gesagt, ich arbeite am Abend, ich arbeite am Wochenende. Und eins ist mir dabei wichtig: Ich arbeite deshalb nicht mehr als vorher.

Es geht nicht darum, jede freie Minute mit Arbeit vollzustopfen.

Es geht darum, bewusst zu entscheiden.

Jetzt denkst du dir: Ich will gar keine 20 Stunden arbeiten. Völlig fein, dann lass es.

Und genauso habe ich die Leute, die zu mir sagen: Danke für die Erlaubnis, dass ich nicht 40 Stunden arbeiten muss. Ich hab echt gedacht, ich komme faul rüber, wenn ich weniger mache.

Nein. Du darfst für dich und dein Business selbst entscheiden. Und du musst es niemandem erzählen, weil es eh niemanden was angeht.

Brich diese Woche bewusst eine deiner eigenen Regeln

Ich lasse dich mit einer Reflexionsfrage zurück.

Welche Regel hast du dir selbst auferlegt, die dich eigentlich mehr stresst als dein Business oder deine Arbeitsweise?

Das kann so was sein wie: Ich darf meine E-Mails vorher nicht checken. Oder: Ich darf am Abend nicht mehr ins Postfach schauen.

Schreib sie dir auf und brich sie diese Woche ganz bewusst. Dann schau, wie es dir damit geht.

Ganz oft ist uns gar nicht bewusst, was wir uns selbst für Regeln auferlegen.

Und weil die Urlaubssaison direkt vor der Tür steht: Überleg dir, ob und wie du in deinem Urlaub arbeiten willst. Das ist für mich einer der ersten Punkte gewesen, an dem ich gemerkt habe, ich muss das anders angehen als alle anderen.

Ich verspreche dir, der Urlaub wird entspannter.

Bevor du in den Urlaub gehst: hol alles aus dem Kopf

Und wenn du auch das Problem mit dem Kopfkino im Urlaub hast: das läuft meistens, weil so viel im Kopf herumschwirrt. Offene To-dos, halbe Gedanken, das eine Ding, das du nicht vergessen darfst.

Bevor du also entscheidest, wie du arbeiten willst, kommt einmal alles raus aus dem Kopf. Danach denkt es sich viel klarer, gerade vor dem Urlaub.

Genau dafür hab ich einen geführten Braindump gemacht.

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Du bestimmst die Regeln

Das Wichtigste noch einmal: Du darfst die Regeln in deinem Business selbst bestimmen. Und das Wichtigste dabei ist, dass du bewusst entscheidest, wie du arbeiten willst.

Vor Kurzem haben wir hier über die Not-To-Do-Liste gesprochen. Da hast du bestimmt schon aufgeschrieben, was du nicht machen willst.

Jetzt ist der Zeitpunkt für die andere Seite: Was willst du denn tun?

So wird aus beidem ein rundes Bild.

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