Blogs sind gerade nicht so in. Na und?

von | 26. Jan 2021 | Strategie & Business | 24 Kommentare

Blogs sind gerade nicht so in.

Das ist ein Satz, den ich in letzter Zeit selbst oft gesagt habe.

Aber weißt du was?

Das ist überhaupt nicht schlimm.

Fasten z.B. war jahrelang auch nicht „so in“ und von vielen überhaupt nicht beachtet.

Haben Leute, die gefastet haben, deshalb ihre Zeit verschwendet?

Ich bin keine Ernährungsexpertin, aber ich traue mich zu behaupten, dass Fasten durchaus seine Vorteile hat. Egal, ob es gerade in ist, weil jemand (ähem, die Medien 😉) einen Intervallfasten-Hype ausgerufen hat oder nicht.

Genauso ist das mit Blogs. Sie werden aktuell vielleicht nicht gehypt (in Zeitschriften z.B. wurden bis vor kurzem Instagram-Profile gefeatured, jetzt sind es Podcasts). Eines sind sie aber auf keinen Fall:

Tot. Zeitverschwendung. Von gestern.

Trotzdem hört man das in regelmäßigen Abständen: Blogs sind tot.

Auch auf Twitter kam die Diskussion vor Kurzem (wieder) auf und Meike von Start:Talking hat daraufhin eine Blogparade ins Leben gerufen. 

Natürlich beteilige ich mich daran und verrate euch, warum Blogs in meinen Augen nicht tot sind, sondern vielleicht lebendiger als jemals zuvor!

Woher kommt die Behauptung, Blogs wären tot?

Ich bin, was das Thema Bloggen betrifft, in einer privilegierten Situation. Ich kenne nämlich auch das „alte“ Bloggen, das nichts mit SEO, Redaktionsplan, Marketingkanal, Influencer usw. zu tun hat.

Meine Blogging-Anfänge habe ich in einer Zeit gemacht, in der niemand wusste, was ein Blog ist. Schlimmer noch: in der sich viele nicht getraut haben zu erzählen, dass sie einen Blog haben. Verrückt, wenn man das heute so liest, oder?

Damals war es normal, 2-3 mal täglich Blogartikel zu veröffentlichen. Oft waren dann auch nicht mehr als 2-3 Sätze im Artikel zu lesen.

Etwas, das heute für Social-Media-Kanäle funktioniert und wovon ich beim Bloggen in der Regel abrate. Einerseits, weil das SEO-technisch gar nicht so gut ist. Andererseits, weil in vielen Fällen der Mehrwert für den Leser fehlt.

Also ja, Blogs wie wir sie früher (vor 10-15 Jahren) kannten, sind vielleicht tot. 

Oder zumindest ein Relikt des Internets.

Aber zu behaupten „Blogs sind tot“ ist so wie zu behaupten, Soziale Netzwerke wären tot. Nur, weil es Myspace und Studi VZ (einst die größten Social Networks im deutschsprachigen Raum) nicht mehr gibt.

An die Stelle dieser Netzwerke sind Facebook, Instagram & Co getreten.

Blogs, die „Dinosaurier des Internets“ wie Christian de Vries sie in seinem Beitrag zur Blogparade nennt, sind als Medium gleich geblieben. Aber der Inhalt, sowie die Art und Weise, wie wir veröffentlichen, hat sich in vielen Fällen geändert. Man könnte auch sagen: sie haben sich im Laufe der Zeit angepasst. Also dann doch wieder keine Dinosaurier 😉

Während andere Kanäle verschwunden sind, haben sich Blogs im Laufe der Zeit angepasst. Klick um zu Tweeten

Vieles ist anders – manches auch blöd

Da ist natürlich die Frage: Wie haben sich Blogs im Laufe der Zeit angepasst?

Aus der anfänglichen Skepsis gegenüber Blogs und ihren Betreibern ist ein kleiner Hype geworden – und Blogger die ersten Influencer. Damit hat sich die Möglichkeit ergeben, mit dem Bloggen Geld zu verdienen: mit Kooperationen mit Firmen, meist in Form von bezahlten Beiträgen (Sponsored Posts).

Mit dem Aufschwung der Social-Media-Kanäle hat sich in der Blogosphäre dann einiges geändert:

  1. Die Influencer sind langsam aber doch auf andere Plattformen abgewandert (allen voran Instagram und Youtube). Das bedeutet, dass Geld verdienen mit dem Blog heute anders funktioniert als damals. Nicht die Kooperationen mit anderen sind lukrativ. Sondern das eigene Expertenwissen zu verkaufen. Wobei der Blog gleich eine doppelte Rolle spielt. Denn viele eignen sich ihr Wissen im Zuge des Bloggens an und nutzen den Blog dann gleichzeitig als Marketingkanal.
  2. Die Technikhürde von Social Media Kanälen ist noch niedriger, wodurch die Kommentare auf Blogs teilweise weniger werden, weil viele Leute Inhalte lieber direkt auf den Plattformen kommentieren.

Das sind zwei Punkte, denen viele hinterher weinen. Ich nicht.

Ich war nie ein großer Fan von Sponsored Posts, obwohl ich mit meinem ersten Blog internationale Kooperationen mit Bosch oder Dr. Oetker machen durfte. Ich bin lieber unabhängig und das bist du nur, wenn du deine eigenen Produkte hast.

Und zu den Kommentaren: Ja, es ist für viele einfacher, gleich auf Social Media zu kommentieren. Aber dort sind es oft nur oberflächliche Kommentare. Die Diskussionen sehe ich nach wie vor unter Blogartikeln. Wie du mehr Kommentare am Blog bekommst, habe ich dir hier zusammengefasst. Und allen voran gebe ich Anna Koschinski recht, die schreibt:

Wenn wir wirklich Interaktion wollen, wenn wir wollen, dass kommentiert, gelikt und geteilt wird, dann müssen wir unsere Texte für den Leser schreiben. Nicht für uns selbst. Und eben wirklich zur Diskussion anregen.“

Apropos Leser… Werden Blogs denn überhaupt noch gelesen?

Weißt du, was die häufigste Frage ist, die mir gestellt wird, seit ich angefangen habe zu bloggen?

“Wer liest denn Blogs?”

Früher mit dem Unterton, dass Blogs zu lesen doch Zeitverschwendung wäre. Heute oft mit dem Wörtchen “noch” dazwischen. Also: “Wer liest denn heute noch Blogs?” Die Zeit dazwischen habe ich irgendwie nicht mitbekommen 🤪

Auch hier möchte ich einen anderen Beitrag, der im Zuge der Blogparade entstanden ist, aufgreifen. Nämlich den von Bernhard Schloss:

„Da hat sich, glaube ich einiges geändert. (…) Heute hat sich unser Medienverhalten grundlegend geändert, wir folgen weniger Kanälen als dass wir einzelne Inhalte suchen.“

In den Gesprächen mit meinen KundInnen merke ich immer wieder, dass genau das zutrifft: RSS-Reader, mit denen man Blogs abonnieren kann, sind aus der Mode gekommen (bzw. viele wissen gar nicht von ihrer Existenz). Stattdessen folgen wir einem Blog heute auf Social Media oder über den Newsletter. 

Wobei Letzteres nur dann der Fall ist, wenn du es schaffst, deine Leser abzuholen und ihnen Mehrwert zu bieten. Denn der Platz im E-Mail-Postfach ist limitiert und auch ich habe nur eine Handvoll Blogs abonniert. Während ich in meinem Feed-Reader 300+ Blogs folge…

Aber zurück zur Frage: Ja, fast alle lesen Blogs.

Aber nicht so, wie wir früher ein Zeitschriftenabo abgeschlossen haben und immer die neueste Ausgabe geliefert bekommen. Sondern über einen Umweg – nämlich Google. Und oft folgen sie dem Blogger dann auch, nämlich wenn der mit seinen Inhalten überzeugen kann.

Bei den meisten Suchergebnissen bei Google sind auf den ersten Plätzen Blogs zu finden. Manchen Suchenden ist es aber gar nicht so bewusst. Denn Blogs von Webseiten zu unterscheiden ist heute oft gar nicht mehr so einfach.

Ja, die Leute lesen noch Blogs. Aber nicht so, wie wir früher ein Zeitschriftenabo abgeschlossen haben. Sondern über einen Umweg – nämlich Google. Klick um zu Tweeten

Und genau die Tatsache, dass so gut wie jeder schnell mal nach etwas googelt, verschafft uns mit Blogs einen großen Vorteil gegenüber anderen Plattformen.

Wenn jemand auf den Blog kommt, dann sucht er aktiv nach einer Lösung oder Antwort auf seine Frage. Auf Social Media Kanälen lassen sich die Leute meist nur berieseln und sind oft nicht in einem Modus, wo sie auch wirklich handeln und Erstgespräche buchen oder kaufen.

Die Stärken von Blogs gegenüber TikTok, Instagram & Co

Noch einen anderen Vorteil haben Blogs gegenüber Social Media Kanälen:

Stell dir vor, du hast das erste Mal von einem Thema gehört, bist davon fasziniert und möchtest alles dazu wissen.

Was hilft dir eher weiter: ein 1-minütiges Tik Tok Video oder ein 3.000-Wörter langer Blogartikel?

Ich gehe davon aus, dass du Blogartikel gesagt hast?

Sehr gut, dann sind wir auf einer Wellenlänge. 😉

Ein wahnsinnig wichtiger Vorteil bei Blogs ist nämlich…

Du bist bei der Gestaltung der Beiträge völlig frei

  • Du hast keine Zeichenbeschränkungen beim Text.
  • Du kannst Bilder in jedem erdenklichen Format einfügen.
  • Es ist möglich, Videos einzubetten.
  • Du kannst deine Beiträge formatieren wie du möchtest, mit Zitaten, Farben, …

Du kannst für jeden Blogartikel das Format auswählen, das nötig ist, um den Inhalt zu transportieren. 

Anders als bei TikTok, wo du nur ein paar Minuten Zeit hast, um deine Inhalte zu präsentieren. Anders als bei Pinterest, wo du ein vorgegebenes Format für deine Bilder hast (wenn du gefunden werden möchtest). Anders als bei Instagram, wo du die Schrift nicht formatieren kannst. Usw…

Das ist übrigens auch der Grund, warum Sandra Schmid sich für einen Blog entschieden hat. Ihre Blog Success Story kannst du hier nachlesen.

Und ich denke genau dieser Umstand ist es auch, der Blogs heute noch ihre Daseinsberechtigung – um nicht „Macht“ zu sagen – gibt und sie auch nicht so schnell ersetzen kann.

Ein Blog ist das einzige Medium mit völliger Gestaltungsfreiheit. Genau das gibt ihnen auch heute noch ihre Daseinsberechtigung – um nicht „Macht“ zu sagen. Und nichts kann sie so schnell ersetzen… Klick um zu Tweeten

Wie Alexander in seinem Beitrag zur Blogparade schreibt: 😉

„Und die besten TikTok Tutorials findet man, wer hätte es gedacht, auf einem Blog mit viel Text.

Trends kommen und gehen – Blogs bleiben

Bis hierher ist dir eines vielleicht aufgefallen:

Ja, es gibt viele neue Kanäle, die in den letzten Jahren dazugekommen sind. Und ich finde sie sind eine wunderbare Ergänzung zu Blogs, können ihn allerdings nicht ersetzen.

Das sollte es schon deshalb nicht, weil wir immer wieder Trends sehen, die kommen und gehen. Wer erinnert sich noch an Vero? Nutzt du noch Snapchat? Wird TikTok auch nach diversen Lockdowns so viel Aufmerksamkeit bekommen? Und wie lange hält der Hype um Clubhouse an?

Neue Kanäle kommen und gehen – und sind eine tolle Ergänzung zum Blog, aber kein Ersatz! Klick um zu Tweeten

Aber das betrifft gar nicht nur Social Media, sondern auch Podcasts:

Eine Zeit lang haben alle ihren Blog durch Podcasts ersetzt, weil es aktuell DAS Medium ist. Nur um ein paar Wochen oder Monate später wieder zum Blog zurückzukehren und dort ein Transkript oder zumindest eine Zusammenfassung der Folge zu veröffentlichen.

Man kann also sagen:

Blogs sind nachhaltig

Und zwar in zweierlei Hinsicht. Einerseits, weil sie sich nicht so schnell aus der Medienlandschaft vertreiben lassen.

Andererseits, was die Vergänglichkeit der einzelnen Postings auf Social-Media-Kanälen betrifft: Deine Beiträge haben dort eine Lebensdauer von ein paar Stunden bis Tagen und dann verschwinden sie in der Vergessenheit, aka deinem Feed.

Die Inhalte, die du am Blog veröffentlichst, sind über Jahre hinweg über Google auffindbar. Dadurch bist du auch bei einer längeren Pause präsent und gerätst nicht in Vergessenheit.

Ja, einen Blogartikel zu schreiben dauert länger, als ein Facebook-Posting. Aber du profitierst auch länger davon…

Meine Antwort auf „Blogs sind tot“?

Im Zuge der Blogparade hat Meike unter anderem diese Frage gestellt:

„Welche Antworten habt ihr für Leute, die Blogs verbal immer wieder „beerdigen“ wollen?

Die ausführliche Antwort hast du ja gerade gelesen. Kurz zusammengefasst würde ich es so sagen:

Blogs sind vielleicht gerade nicht in. Aber das ist der Beruf des Steuerberaters auch nicht. Trotzdem verdient der Geld – und ohne wären ziemlich viele Leute aufgeschmissen…

Blogs sind vielleicht gerade nicht in. Aber das ist der Beruf des Steuerberaters auch nicht. Trotzdem verdient der Geld – und ohne wären ziemlich viele Leute aufgeschmissen… Klick um zu Tweeten

So, jetzt interessiert mich aber auch deine Meinung: (Wie lange) bloggst du schon? Und hast du manchmal das Gefühl, Blogs sind altmodisch oder werden nicht mehr gelesen? Hinterlasse mir einen Kommentar und verrate es mir!

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